Trennung und Co

Angefangen hat alles ganz harmlos. Vor ca 22 Jahren die Heirat. Lange Zeit schien alles normal zu funktionieren, nach außen betrachtet eine glückliche Ehe, Haus, vier Kinder,Hunde, Katzen…der Mann ging arbeiten, die Frau kümmerte sich um alles andere. So die Arbeitsteilung. Doch im Grunde ihres Herzens war sie oft nicht zufrieden damit, fühlte sich unterfordert, wollte mehr, nicht nur gesellschaftliche Anerkennung, sie wollte auf eigenen Füßen stehen,

Mensch-Sein

Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt, Mensch sein; was bedeutet dies eigentlich?

Sein heißt für viele leben, für andere existieren, für noch andere dahinvegetieren. Überall auf der Welt herrscht Neid, Missgundt

Verdammt, es war der Keilriemen

Gestatten, Winzig, Willy Winzig. Nicht dass hier falsche Assoziationen und Verdächtigungen aufkommen…das ist nun mal der Name, den meine Eltern Erna und Winfried mir zu als unveränderliches Geschenk zu Lasten meiner Geburt im Krankenhaus in der Pampa des Oberbergischen Landes haben bestätigen lassen. Nun läst er mich nicht mehr los, im Laufe der Jahrzehnte habe ich gelernt, damit umzugehen.

Piraten-Waffeln statt Waffen

Wäre das nicht ne praktische Lösung? Ne prima Alternative?

Ich stelle demnächst eine Anleitung ein, um private Probleme in Partnerschaft und Familie auf eine Art und Weise zu lösen, die Charles Aznavour und Bocuse sowie Alain Delon, Edith Piaf, Louis de Funès, Grace Kelly und Karl Lagerfeld oder gar Janis Joplin zu Ehren in Tortenweitwurf Freiwillige mir Revenge bieten könnten. Wer macht mit???

Aber bitte mit Sahne! Statt Kindesentfremdung.

Wäre das nicht eine prima Idee?

Nur ist dies leider in Absurdistan nicht realisierbar.

Schade, sprach die Made und verkroch’ sich im Loch

MD, 12.10.21 21:02

Liebe Grüße und einen angenehmen Abend wünsche ich Euch allen da draußen…gehabt euch wohl.

Aus Kindern

Aus Kindern

Werden Leute

Aus reizenden

Deutschen Kindern

Fleißige Leute

Die willenlos

Zuschauen

Willenlos bleiben

Schamerfüllt

Ich schäme

Mich meiner Herkunft

Dichter und Denker

Ihre Worte

Verhallen klanglos

Einzelkämpfertum

Dasein

Jede/r stirbt

Für sich allein

Dahin vegetieren

Früher wurden

Bücher verbrannt

Heute wird

Wissen verramscht

Im Papiercontainer

Der Unwissenheit

Klopapier

Ist Kulturgut geworden

Es war einmal

Deutschland

Ein Wintermärchen

©️ Sylvia Erlemann

Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel, heißt es.

Oft leichter gesagt, als getan.

Äußere Umstände hindern oft, den eigenen Träumen und Zielen zu folgen. Und dann ist es nicht einfach, nach den Sternen zu greifen. Von daher betrachte ich die klassischen Leitsätze ach so erfolgreicher Menschen mit Skepsis. Natürlich ist dies ein Leichtes, wenn diese unbekümmert “in den Tag hinein” leben können und keine Verantwortung tragen müssen. Meist sind es Männer, die “Karriere” gemacht haben und sich aufgrund der Leistungen ihrer Vorfahren ins gemachte Nest haben setzen können. Doch was bitte sehr ist daran bewundernswert?

Wer bitte sehr denkt in diesem Zusammenhang an die älteren Frauen, die während oder nach dem zweiten Weltkrieg ihre Kinder aufopferungsvoll großgezogen haben, ohne dabei an sich und die eigenen Bedürfnisse denken zu können? Deren Gemeinsinn immer über die Erfüllung ihrer eigenen Wünsche gesetzt werden musste, um das (Über-) Leben ihrer Kinder sicherzustellen. Natürlich lässt sich dies auch auf andere Zeiten, Länder oder gar Kontinente übertragen. Wer bitte sehr dankt ihnen dafür?

Scheinbar darf es als “normal” angesehen werden und gehört für die Allgemeinheit zum “guten Ton”, dass eine Frau im Rahmen ihrer Rolle als Mutter dies bedingungslos annimmt und pflichtbewusst verfolgt, d.h. aufopferungsvoll sich um Kinder und Haushalt kümmert. Doch wo bitte sehr bleiben die Männer, welche Rolle spielen sie dabei? Ist es “typisch weiblich”, nur zu geben, aber nicht viel zurückzubekommen? Ist es “typisch männlich”, den Erziehungsauftrag eher ungern nachzukommen und das Heil in der Flucht, d.h. der Arbeitswelt zu suchen und einen auf “Ernährer” und “Sicherheitsbringer” zu machen? Was bitte sehr ist mit der Vorbildfunktion für die kommenden Generationen? Ein wenig einseitig, meiner Meinung nach, viel zu archaisch, aber systemkonform.

Natürlich ist es nicht lobenswert, mit einer restriktiven Erwartungshaltung an die Aufgabe “Familienplanung & Co” zu gehen. Ich habe hier das Bild meiner Mutter vor Augen, die ausdrücklich betonte, sie erwarte keine Dankbarkeit für das, was sie geleistet habe. Ein an sich ehrenwerter Zug, Geben und Nehmen sind oft sehr einseitig. Gut, unsere Beziehung war nicht immer einfach, doch hat sie mir sehr viel mitgegeben, vor allem Freiraum und große Freiheit, schon in meiner Kindheit. Gleiches galt auch für meinen Vater und meine Großeltern und auch andere Erwachsene, mit denen ich aufwuchs. Die Rollenverteilung seinerzeit war nicht so rigide wie in den Jahren, die danach kamen. Egal bei welchem Thema, immer waren sowohl Frauen als auch Männer im Gespräch beteiligt. Es gab nie ein “eine Frau kann bei politischen Fragen nicht mitreden”. Daher war und bin ich der Rolle als Frau hinsichtlich des Frau- und Mutterdaseins sehr ambivalent eingestellt. Gut, ich war mit 30 das erste Mal schwanger, wohl gefühlt habe ich mich im ersten Jahr als Mutter eigentlich nicht wirklich; ich fühlte mich ständig unterfordert. Trauerte eher einer wissenschaftlichen Karriere oder der als Schriftstellerin, Schauspielerin oder Musikerin nach. Ein Traum, der mir auch vorher schon verwehrt wurde, statt dessen durfte ich Verantwortung für meine Familie, d.h. Eltern und Großvater tragen, quasi als Bindeglied, da meine Oma schon sehr früh verstorben war und dieser Platz gefüllt werden musste. Nun ja, Träume sind oft Schäume, mir ging es zuvorderst nicht ums reine Geldverdienen, natürlich wäre dies ein netter Nebeneffekt gewesen, mir ging es vielmehr um Autonomie in allen Bereichen. Nichts gegen (finanzielle Sicherheit, aber nicht um jeden Preis. Und der Preis dafür war die Heirat. Immer noch warte ich auf die offizielle Scheidung. Bitte, keine Grundsatzdiskussion ob der Legalität “aller Hochzeitsurkunden”, Vertrag ist Vertrag, quasi eine Gesellschaftsbindung auf Lebenszeit. Ob diese eingehalten wird oder auch nicht, spielt zunächst keine Rolle, egal auf wessen Kosten. Leidtragende sind immer die Kinder.

Wie dem auch sei, dadurch dass ich vier Kinder (darunter drei Hausgeburten) geboren und großgezogen habe, durfte ich am eigenen Körper (und auch Geist) erfahren, was es tatsächlich bedeutet, Mutter zu sein. Davor kannte ich dies nur aus einer gewissen Distanz, es was kein 24-Stunden Auftrag. Erziehung zur Freiheit, nicht nur in Bezug auf berühmte VertreterInnen der Reformpädagigik wie zum Beispiel Maria Montessori, Rudolf Steiner (um nur zwei Namen zu nennen); nein, auch in Bezug auf das, was Erziehung für mich heißt: Begleitung eines noch zunächst hilflosen Wesens auf dem Weg zum Menschsein. Salutogenese, in vielen indigenen Kulturen weltweit immer noch großgeschrieben, aber im Kanon der westlichen “Kultur” bewusst umformuliert. 1984 reloaded, Gleichschaltung angesagt…Lemminge bevorzugt.

Oft wurde und werde ich gefragt, wie ich bitte sehr damit umgehe, dass ich alles verloren habe: Geld, Haus, Kinder, persönliches Eigentum etc.

Nun ja, zum einen war dies der zweite Rauswurf aus meinem Elternhaus Mitte Dezember 2016, der nicht gänzlich unerwartet kam, zum anderen habe ich zwar alles erdenklich Menschenmögliche versucht, meine Situation zum Positiven zu verändern, auch wenn der Effekt eher genau das Gegenteil bewirkte, wie allerdings abzusehen war. Wie dem auch sei, es war in keinster Weise vertane Zeit, auch wenn wie bereits erwähnt alle meine Versuche, Recht zu bekommen zu keinem Ergebnis führten, wirklich überrascht hat mich dies nicht. Ich möchte hier an dieser Stelle keine politische, historische und/oder soziale Grundsatzdiskussion über den Zaun brechen. Meine Versuche, Aufklärungsarbeit zu betreiben, habe ich vor Jahren so gut wie eingestellt. Ich kämpfe ungern gegen Windmühlen, wenn der Erfolg gegen Null geht. Ich weiß sehr wohl, wie und mit wem ich mir meine Zukunft vorstelle, nur kommen zur Zeit meine vier Töchter nicht darin vor. Ich sehe das sehr pragmatisch, ich kann und will mich nicht mehr in ihr Leben einmischen, sie haben gewählt. Und zwar nicht mich, das akzeptiere ich. Gründe dafür gibt es diverse, darauf möchte ich hier nicht großartig eingehen. Nur zwei seien erwähnt:

1.) Das erziehungsstärkere Elternteil zieht im Rahmen einer konfliktgeladenen Trennung (oder Scheidung) immer (oft bewusst) den Kürzeren, um die Kinder nicht in den Mittelpunkt des Konfliktes hineinzuziehen. Eine Frage der (sozialen) Intelligenz bzw. Vorhandensein von Empathie also.

2.) Ab einem gewissen Moment in der Adoleszenz verändert sich automatisch und zwangsläufig die Bedeutung der Eltern. Aus begleitendem “Erziehern” werden automatisch oft regelrecht Gegner, Reibung ist angesagt, ein notwendiger Prozess auf dem Weg der Loslösung. Der sogenannte Erziehungsauftrag ist spätestens mit der sogenannten Pubertät erfüllt und abgeschlossen. Puber-tiere reagieren dann allzu oft allergisch auf an sich gut gemeinte Ratschläge. Falls beide sich weiterhin noch mit gegenseitigem Respekt begegnen können, ist der “Auftrag” erfüllt. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es am sinnvollsten, erst einmal sprichwörtlich Gras über die Sache wachsen zu lassen, auf Distanz zu gehen und abzuwarten, bis sich die Wogen etwas geglättet haben.

Das dies, was mich betrifft, noch nicht der Fall ist, habe ich kürzlich wieder wahrnehmen dürfen. Ich habe meiner ältesten Tochter schriftlich über WhatsApp (DAS Kommunikationsmittel der Moderne) noch zu ihrem Geburtstag gratuliert und sie gebeten, ihren jüngeren Schwestern liebe Grüße auszurichten. Keine Reaktion, insofern ist das Kapitel für mich abgeschlossen. Ich sehe das sehr entspannt, wer dem schnöden Mammon schwört, hat seine (in diesem Fall: ihre) Wahl getroffen. Ob sie ihre jüngeren Schwestern darüber informiert hat, dass ich mich bei ihr gemeldet habe, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich gehe allerdings davon aus, dass sie ihren Vater darüber informiert hat. Eine Geldquelle sollte schließlich nie versiegen, es ist ihr Leben, nicht meins. Wenn sie ein “Feindbild” braucht, bitte sehr, ich kann es nicht ändern, ein klärendes Gespräch wird mir seit Jahren verwehrt.

Was mich persönlich anbelangt, so habe ich verschiedene Optionen für die Zukunft. Sicher ist, dass ich den Weg in die Freiberuflichkeit diesmal nicht allein gehen werde. Wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es Geduld zu haben. Nun ja, ich bin ein von Natur aus ungeduldiger Mensch, mit einer gehörigen Portion Sturheit gesegnet und oft möchte ich lieber mit dem Kipf durch die Wand. Allein in den Jahren, die ich mit den Kindern verbracht habe, ist mir fast täglich dieser Zahn gezogen worden. Eigentlich glaube ich auch an Gerechtigkeit und mag es überhaupt nicht, wenn alle in die gleiche Schublade gesteckt werden. Justitia ist zwar oft auf beiden Augen blind, doch möchte ich nicht mit Richtern tauschen, die (theoretisch) mit ihrem Namen “Recht” sprechen sollten, und allzu oft in viel zu kurzer Zeit mit einseitigen Informationen zugeschüttet werden. Wer am besten lügt, hat da oft die besseren Karten. Meist steht dann Aussage gegen Aussage. Und viele Geschichten wirken einfach zu absurd, oft mangelt es an Kompetenz und Zeit, um hinterste Kulissen zu blicken und die Wahrheit zu ergründen. Dass alle Gerichte keine Staatsgerichte mehr sind, sei nur am Rande erwähnt. Für mich war und ist dies der wichtigste Grund, mich aus allen Vereinen oder Gruppen (auch im Internet) hinsichtlich Kindesentfremdung und -entzug zurückgezogen zu haben. Ähnliches gilt auch für politische Strömungen. Ich betrachte all dies lieber aus der Distanz. Die Lösung wäre einfach, wenn …

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Wie dem auch sei, ich widme lieber mein Hauptaugenmerk dem, was mir am Herzen liegt: Dem Schreiben.

Alles andere ergibt sich automatisch, auch beim Reisen und in der Begegnung mit anderen Menschen. Einladungen habe ich einige, und nicht nur dies lässt hoffen. Auf der Suche nach dem verlorenen Glück bin ich jedenfalls nicht, ich habe es schon lange gefunden.

In diesem Sinne wünsche ich all denen, die diese Zeilen wahrgenommen haben, alles Liebe und Gute

©️ Sylvia Erlemann

Psychotrauma

Kein Mensch kommt ohne Verletzungen durch’s Leben, ob physisch oder psychisch. Das erste sichtbare einschneidende Erlebnis ist die Geburt, doch sind auch die vorgeburtlichen Erfahrungen bzw. Wahrnehmungen des Ungeborenen nicht zu unterschätzen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Vereinsamungstendenz deutlich zugenommen, auch der Wert der Familie als Halt- und Ankerpunkt für die Gesellschaft wird immer mehr in Frage gestellt bzw. regelrecht entwertet. Oft suchen diejenigen, die isoliert leben, nach einer Ersatzbefriedigung, teils um sich selbst zu legitimieren, teils um sich den eigenen Ängsten nicht zu stellen. Dass Angst lähmt und Einsamkeit krank macht und zu einem früheren Tod führt, haben nicht nur diverse Studien bestätigt, hier reicht allein der gesunde Menschenverstand, um dies nachvollziehen zu können.

Was also macht den Unterschied zwischen einem Trauma und einem Psychotrauma aus? Kein Mensch kommt ohne Wunden und Narben durch das Leben, nur wie geht das Individuum damit um? Welche Hilfsmittel zur Bewältigung des Schmerzes werden ihm mitgegeben und welche Unterstützung und Hilfeleistung werden ihm angeboten? Hier ist das Thema Salutogenese ein wichtiges Stichwort. Gerade im ersten Lebensjahr erfährt der junge Mensch Urvertrauen, durch Körperkontakt und Befriedigung der innersten Bedürfnisse, abgesehen von Nähe und Zuwendung sowie Sicherheit natürlich zuvorderst auch die sofortige Abwendung von negativen Gefühlen aller Art wie Hunger und Unwohlsein. Je schneller diese elementaren Bedürfnisse gestillt werden, desto stärker entwickelt sich das Urvertrauen, im späteren Leben auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und natürlich auch das Gefühl, anderen vertrauen zu können und nicht allein dazustehen. Natürlich gibt es auch Momente, in denen das Baby/Kleinkind mit den stets wachsenden Fähig- und Fertigkeiten sich daran gewöhnt, geduldig warten zu können, je älter und reifer es wird, desto leichter wird dies auch akzeptiert, vor allem im Kontakt mit Geschwistern oder Gleichaltrigen wird der Gemeinsinn gefordert und gefördert.

Wiederholte unerfüllte Befriedigungen all dessen, was den Selbsterhaltungstrieb anbelangt, führen hingegen zwangsläufig zu einer Fragmentierung von Fühlen und Denken und Reflexion und Handeln. Typische Äußerungen von Betroffenen sind:

– Ich fühle nichts mehr.

– Ich weiß alles, aber ich kann nicht mehr handeln.

– Ich nehme die Dinge verzerrt wahr.

– Ich höre etwas, was es nicht gibt.

Mit anderen Worten, die Fähigkeit, Erlebnisse authentisch wahrzunehmen und wahrheitsgetreu diese mit allen Sinnen zu koordinieren, ist gestört oder gar gespalten, oft auf vielen Ebenen. Die menschliche Seele ist durch ein oder mehrere Ereignisse aus dem Gleichgewicht gebracht worden und der Körper reagiert. Die Psyche zerlegt sich sprichwörtlich in Einzelbestandteile. Symptome dafür sind Verdrängungsmechanismen und teils konfuse bzw. nicht situationsbedingte Überlebensstrategien, die mit den realen Lebensbedingungen und Erfahrungen bzw. Gefühlen nicht in Einklang gebracht werden können. Zwischen Erlebtem und Gefühlten klaffen Welten regelrecht auseinander. Und aus dem Trauma wird eine oft komplette Traumaverleugnung, bei der immer intensiver das Unterbewusstsein Kontrolle über das Bewusstsein bzw. das Denken und Fühlen überhand nimmt. Die Betroffenen flüchten sich in Phantasiewelten und sind nicht mehr in der Lage, die Realität exakt wahrzunehmen. Symbiotische Bedürfnisse und Autonomiebedürfnisse werden nicht befriedigt und aufgrund mangelhafter Bewältigungsstrategien flüchtet sich der Mensch in falsche Projektionsmechanismen und findet Bestätigung darin, die Schuld im Äußeren zu finden und andere für das Erlebte verantwortlich zu machen, ohne sich selbst in den Fokus zu nehmen und eigene Verantwortung zu tragen bzw. an den Ursachen zu arbeiten, ob selbstbestimmt oder mit Hilfe anderer. Der Mensch sieht sich selbst als gesund und überträgt das eigene Unvermögen auf andere und verwechselt oft auch in der Kommunikation Hilfsangebote mit Angriffen auf die eigene Persönlichkeit. Er kann sich bzw. sein Spiegelbild (nicht nur metaphorisch gesprochen) nicht mehr authentisch wahrnehmen.

Komplizierter wird es noch, wenn es sich um Mehrgenerationentraumata handelt, hervorgerufen durch Missbrauch, ob physisch oder psychisch. Das Erlebte setzt sich in den Stammzellen regelrecht fest und wird weitergegeben, ohne dass dies den Betroffenen bewusst wird. Kennzeichnend hierfür ist eine bindungsgestörte oder gar -unfähige Persönlichkeit, die zwar Beziehungen nicht bewusst meidet, aber diese unter falschen Voraussetzungen aufrechterhält. Oft als Schutzmechanismus, um sich regelrecht zu verstecken oder dem Gefühl des Ausgeliefertseins aus dem Wege zu gehen. Im Laufe der Zeit werden andere Strategien regelrecht perfektioniert, um nicht negativ aufzufallen und in der Öffentlichkeit nur das beste Bild eines voll im Leben stehenden Menschen abzugeben. Wenn es der Mensch allerdings schafft, ohne ein zusätzliches verstärkendes Trauma in Kindheit und Jugend zu erfahren, ist er umso leichter in der Lage, die Ketten der Vergangenheit zu sprengen und ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen, meist allerdings erst in Distanz zu der Kernfamilie. Das Thema Missbrauch und Trauma in der eigenen Familie ist und bleibt allzu oft ein Tabuthema, nur wenige setzen sich offensiv in der Öffentlichkeit damit auseinander. Angst und Scham überwiegen, oft auch aus Furcht davor, sozial isoliert zu werden, da “man darüber nicht redet”; in einer traumatisierten Gesellschaft, in der allzu oft im Rahmen einer Opfer-Täter-Dynamik die Rollen vertauscht werden, um das gängige Machtgefüge (teils auch aus rein ökonomischen Gründen) nicht zu gefährden geschweige denn in Frage zu stellen oder gar zu verändern. Aus einer Opferhaltung entwickelt sich dann eine Täterhaltung, aufgrund von Desillusionierung und Frustration und aufgrund des Erlebtem schient es für die Betroffenen der einzige Ausweg zu sein, genau das zu wiederholen, was ihnen vorgelebt worden ist bzw. wird. Daher führen diese Menschen oft destruktive Beziehungen und verlieren sich in Coabhängigkeit. Mangelnde Abgrenzung des Ich’s stehen im Kontrast zu erfolgreichen Kompensationsstrategien. Mein Körper, mein Trauma und ich … ein weites Feld. Im Ich-Anteil streiten sich oft Assoziationen und Dissoziationen, eine wahre Sisyphusarbeit, diese wieder aufzulösen, um ein freies Leben führen und positiv mit der Vergangenheit abschließen zu können. Selbstredend kann all das, was Biografiearbeit betrifft, nicht alle Schatten der Vergangenheit in ein positives Licht rücken, je gravierender und einschneidender die Erlebnisse waren (denken wir hierbei zum Beispiel an sexuellen Missbrauch in frühester Kindheit durch Schutzbefohlene), doch ist ein großer Schritt getan, wenn der betroffene Erwachsene all das Erlebte als einen Teil seiner Vergangenheit annimmt, sich nicht schuldig fühlt, für das, was ihm widerfahren ist und mit dem sicheren Gefühl, dies niemals anderen antun zu wollen und dies ausdrücklich kommuniziert, getan. Vielen hilft es auch, mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen zu reden, andere schreiben darüber, oft nur für sich, noch andere brechen bewusst den Kontakt ab, um an einem anderen Ort ein neues Leben aufbauen zu können… Wie dem auch sei, deutlich ist jedenfalls ein therapeutischer Notstand spürbar, es fehlt an allen Ecken und Enden an Fachpersonal und Möglichkeiten, in einer Gemeinschaft aufgefangen, diese Kernproblematik zu bearbeiten oder zur Heilung beizutragen. Ein Thema, das die Gesellschaft in den nächsten Jahren immer mehr beschäftigen wird, Schönreden trägt nicht zur Veränderung bei. Es gilt, das Problem bei den Wurzeln zu packen.

©️Sylvia Erlemann

Des Kaisers neue Kleider

CAMOUFLAGE

Verkleidung

MASKEN tragen

Sich verstecken oder gar anpassen?

In der Masse verschwinden, anonym bleiben oder sich seiner Individualität bewusst sein und daraus hervorstechen?

Alles Ansichtssache?

Oder eine Frage des freien Willens und Bewusstseinsgrades…

Grundsätzlich existieren beide Varianten, die zweite allerdings deutlich seltener als die erste Variation zum Thema Charade.

Das an sich natürliche und rein spielerische Moment des „so sein Wollens“ wie die angeblich „Großen“, das heißt die erwachsenen Vorbilder, die das Kind in seiner angeblichen Naivität nachahmt, zeigen in seiner weiteren Entwicklung im Laufe der Adoleszenz nur allzu deutlich, wie sehr die politischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen die Handlungsweisen und -muster ad absurdum führen und leiten.

Mainstream hoch x.

Gesprächskultur wird kaum noch gepflegt und hinter den Kulissen ziehen die die Fäden, die aus gutem Grund unerkannt bleiben wollen; die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Segen und Fluch der digitalen Welt.

Nichtsdestotrotz stellt sich immer wieder dem Individuum die Frage, mit wem er es zu tun habe bzw. auf wessen Seite das Gegenüber steht.

Irritation und Unsicherheit oder gar Angst, das Gesicht oder die Privatsphäre zu verlieren und das Gefühl, kafkaesk unschuldig schuldig (gemacht) zu werden, ist seit längerem Zeichen der Zeit.

Schlagwörter oder Redewendungen wie „Hamsterrad“; „Ich kann sowieso nichts ändern…“; „Schicksal“ oder „Was ist mit meiner Familie?“ bzw. „Eigentlich geht es mir/uns doch gut.“ stehen allzu oft im krassen Widerspruch zum Unterbewusstsein.

Oft fehlt es an Kleinigkeiten, um aus dem oft jahrzehntelang erlernten und internalisierten „Verhaltenskodex“ auszubrechen und neue Wege zu gehen. Denn rein instinktiv scheut der Mensch, bewährte und eingefahrene Bahnen zu verlassen, auch rein neurologisch betrachtet. Umdenken erfordert nicht nur Offenheit, sondern auch Mut, die eigene Unzulänglichkeit anzuerkennen und seine Fehler und Schwächen zu erkennen, zu akzeptieren und an ihnen zu arbeiten.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, heißt es nicht umsonst.

Doch dem steht die „Geiz ist geil“ Mentalität gnadenlos gegenüber.

Nur wenige schaffen es auf ihrem Weg durch‘s Leben, allein und selbstbestimmt und selbst-bewusst alle Klippen zu meistern; in der Berg- und Talfahrt auf unserem Planeten.

Das sind diejenigen, die in einer (selbstgewählten oder fremdbestimmten) Vereinsamung im Rahmen ihrer Biografiearbeit zu sich selbst zurückfinden dürfen; oft ein recht langwieriger und auch schmerzhafter Prozess, der nie abgeschlossen sein kann. Wer anderen Impulsen offen und unbefangen gegenüber tritt und erwartungsfrei scheinbar „in den Tag hinein“ lebt, immer mit einem Lächeln im Gesicht, dem öffnen sich täglich neue Türen.

Interessante und unerwartete neue Begegnungen schaffen Klarheit. Wenn die Erwartungshaltung positiv (selbst-) bestimmt ist und bleibt, so dauert es nicht lange, bis das das Individuum/der Mensch auf Gleichgesinnte trifft.

Niemand ist zum Einzelgänger geboren, nur verliert sich im Rahmen des „Erwachsenwerdens“ allzu oft das, was den Menschen an sich ausgemacht hat.

Empathie, Neugierde, Experimentierfreude u.s.w.

Zu spät ist es theoretisch nie, „die Seite zu wechseln“; doch es zählt nur die innere Bereitschaft, dies aus freiem Willen zu tun.

Nicht alle sind dazu in der Lage, und das ist auch logisch nachvollziehbar. Grundsätzlich ist die Schuldfrage zwar obsolet; doch nicht immer.

Nicht jeder Mensch ist therapierbar bzw. heilbar.

Beispiele dafür darf ich als bekannt voraussetzen.

Trau, schau, wem…

Immer wieder gilt der Leitsatz:

Umgib dich mit dem/denen, das/die dir gut tun.

Konzentriere dich auf deine ureigenen Bedürfnisse und traue deinen Instinkten.

Vergiss nie, dass auch der Mensch an sich instinkt-, trieb- und hormongesteuert ist!

Karma ist gnadenlos.

Du bekommst zurück, was du verdienst.

Und das ist so sicher wie das „Amen“ in der Kirche.

Wer an ein universelles Prinzip glaubt, egal wie es benannt oder bezeichnet wird, kann dies nachvollziehen, da bin ich mir sicher.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen wunderschönen Tag mit belebenden Begegnungen und unerwarteten und erfüllenden Momenten.

Namasté

©️ Sylvia Erlemann